Auto Teil 3 Anschauen

Auto Teil 3 Anschauen

Mit den klassischen vorurteiltsbehafteten Vorstellungen, wie das so auf dem Hof eines Gebrauchtwagenhandels vor sich geht, bereiteten wir uns mental darauf vor, uns nichts aufschwatzen und uns nicht beeindrucken zu lassen, um nicht am Ende mit einer nagelneuen SUV-Luxuskarosse mit allen nur erdenklichen Extraausstattungen und einem Knebel-Leasingvertrag vom Hof zu fahren. Unser Plan war, dem Verkäufer von Anfang an zu erzählen, was wir uns vorstellen, das Gespräch immer wieder auf genau das und nur das zurückzuführen und uns nur darauf zu konzentrieren. Für zwei introvertierte, eher unsichere Menschen erschien uns das schon wie eine Herausforderung. Wir spazierten also gemütlich im Regen unterm Schirm zum Autohandel und sahen uns in aller Ruhe die Gebrauchtwagen an, die auf dem Hof rumstanden. Zwei davon kamen für uns in Frage, um uns genauer damit zu beschäftigen. Da es sich um zwei unterschiedliche Modelle handelte, war unser Plan, uns vielleicht in beide einmal reinzusetzten, um den direkten Vergleich zu haben. Wir betraten mit dieser Idee im Kopf die Halle des Händlers und sahen uns auch da die Wagen an, die herumstanden. Es dauerte ein Wenig, bis jemand auf uns aufmerksam wurde und auf uns zu kam. Der Herr grüßte freundlich, war aber sehr zurückhalten und wirkte schon in den ersten Sekunden nicht so richtig erfreut über unser Erscheinen. Wir legten unser Anliegen dar, auch dass wir eins der beiden Modelle in Betracht ziehen würden und bekamen die Info, dass wir dann ja mit unserer Einschätzung, dass eins davon zu uns passen würde, schon ganz richtig lägen. Wir berichteten noch ein wenig mehr, warum wir in Betracht zogen, ein neues Auto zu kaufen, was wir uns so gedacht hatten und fragten, wie es denn weiter vor sich ginge. Da wurden wir zu unserer Verwunderung lediglich darauf hingewiesen, dass wir uns online die Autos ansehen könnten, die gerade zu verkaufen seien, und uns dann dort auch melden sollten, wenn eines davon für uns in Frage käme. Etwas überrascht, dass uns nicht angeboten wurde, uns in eines der Modelle, über die wir gesprochen hatten, zu setzen, man uns nicht fragte, ob man uns denn schon was zeigen könne, man nicht auf das eine oder andere Fahrzeug hinwies, das da ja rumstand, bedankten wir uns und verließen ein wenig verwirrt die Halle. Nicht vergessen: Wir sind zwei zurückhaltende Menschen, wollen uns niemandem aufdrängen, keine Umstände, keine Aufstände machen. Damit, dass genau das Gegenteil von dem passiert war, was wir erwartet hatten, waren wir zunächst ein wenig überfordert. Anstatt dass versucht worden war, uns ein Auto aufzuschwatzen, hatten wir das Gefühl, dass man uns gar kein Auto hatte verkaufen wollen. Woran das lag, sei einmal dahingestellt, vielleicht am Samstag, an einem schlechten Tag des Verkäufers, der Marktlage, unserer Erwartung oder uns an sich. Allerdings fragten wir uns natürlich auf dem Weg schon, wieso der Verkäufer auf keine der Informationen, die wir als Gesprächsgrundlage bzw. als Gesprächsball aufgeworfen hatten, eingegangen war. Es wären genügend Anknüpfungspunkte vorhanden gewesen, unser jetziges Auto, die Modelle, die wir uns hätten anschauen wollen, unsere Vorstellungen, deren Angebote etc. Ich hatte angenommen, dass ein Verkäufer sich uns als potenzielle Kunden nicht durch die Lappen hätte gehen lassen wollen und uns zumindest eine Probefahrt in einem möglicherweise in Frage kommenden Wagen hätte anbieten wollen, um uns von dem Wagen und ihm als Verkäufer zu überzeugen. Stattdessen kamen wir uns vor, als wären wir dort fehl am Platz gewesen. Dieser Eindruck verstärkte sich dadurch noch, dass wir beschlossen, weiter zum lokalen Haushaltsgeräteladen zu spazieren, da wir ja aus dem Autohaus schneller wieder raus gewesen waren als geplant, und wir dort als Kunden eine sehr positive Erfahrung machen durften (siehe Eiszeit im Kühlschrank). Diese beiden so gegensätzlichen Erlebnisse ließen uns noch lange nachdenken. Es fühlte sich irgendwie entmutigend an, wenn man seinen Mut zusammennahm, vorhatte eine Menge Geld auszugeben und dann so ins Leere lief. Das persönliche Erleben des Besuches einmal außer Acht gelassen, waren wir ohne einen Informationsmehrwert zurückgekehrt und das war vermutlich das Frustrierendste daran. Weder wussten wir, welches Modell wir bevorzugten noch ob uns eines davon wirklich zusagte, wie so ein Gebrauchtwagenkauf vor sich ging oder wo wir mit unserem Anliegen nun hinsollten. Lustigerweise lief an diesem Abend eine Dokumentation über Gebrauchtwagenhandel, die exakt die Vorurteile darstellte, mit denen wir gerechnet hatten: Verkaufen, verkaufen, verkaufen, den Kunden hinlocken, dabehalten, Probe fahren lassen, umgarnen und vor allem verkaufen, verkaufen, verkaufen. Aha.


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